1. Symposium ICT in der Notfallmedizin

Dr. Helge Braun
Parlamentarischer Staatssekretär, BMBF

Grußworte des Schirmherrn Dr. H. Braun

Sehr geehrte Damen und Herren,

regelmäßig bestätigen Studien zu den verschiedensten akuten Beeinträchtigungen der Gesundheit, wie wichtig eine schnelle, zielgerichtete Therapie in den ersten Minuten bis Stunden für das Überleben und den langfristigen Heilungserfolg des Patienten ist. Aus dieser Erkenntnis ergibt sich erheblicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf für die Zukunft:

  1. Wir brauchen mehr Versorgungsforschung, welche die Realität gerade der ambulanten und präklinischen Versorgung besser abbildet als die hochgradig standardisierten und von Störgrößen befreiten klinischen Studien inhouse.
  2. Wir brauchen mehr präklinische Therapiestudien, denn die Ableitung von Handlungsempfehlungen aus empirisch gesicherten langfristigen Therapieschemata auf die Akutphase kann adäquat sein - muss aber nicht!
  3. Wir brauchen, um noch höhere Qualität in Hinblick auf Schnelligkeit und Zielorientierung zu erreichen, konzeptionell und technologisch modernste Logistik und Informationsflüsse in einem hochgradig heterogenen System.

Diese drei Ziele finden sich im neuen Gesundheitsforschungsrahmenprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in den drei Schwerpunkten der Versorgungsforschung, der individualisierten Medizin und der Medizintechnik wieder.

Gerade der letztgenannte Punkt 3 ist erst vor wenigen Jahren in das Bewusstsein der Gesundheits- und Forschungspolitik gerückt. Entsprechend groß sind auf der einen Seite noch die Entwicklungsnotwendigkeiten und auf der anderen Seite die Potenziale, die Versorgung der Patienten zu verbessern, indem wir modernste Informations- und Kommunikationstechnologien im Katastrophenschutz und in der Notfallmedizin zum Einsatz bringen und mit bestehenden Strukturen vernetzen.

Die Bandbreite der möglichen Forschungs- und Entwicklungsansätze ist schier unendlich: Von der technischen Unterstützung der Ortung und Sichtung beim Massenanfall von Verletzten und der datenbankgestützten Krankenhauseinweisung, wie im BMBF-Projekt "SOGRO (Soforthilfe bei Großschadenslagen)" verwirklicht, über telemedizinische Unterstützung am Einsatzort und die Vorabübermittlung von Befunden bis hin zu Feedbackschleifen in klinischen Registern aus den unterschiedlichsten Klinikinformationssystemen zur automatisierten Generierung von Langzeitdaten erstreckt sich die Bandbreite.

Deshalb bin ich froh, dass in diesem Jahr "NotIT 2012" als erstes Symposion dieser Art stattfindet und freue mich, dieses als Schirmherr begleiten zu dürfen. Ich wünsche allen Teilnehmern zwei angenehme Tage, viele neue Erkenntnisse und Ideen - im Interesse der Menschen in unserem Land, die auf den medizinischen Fortschritt hoffen, ganz in diesem Sinne:

Erst wenn keine relevante Information mehr verloren geht, kein Befund mehr unnötig doppelt dokumentiert wird, alle Langfristergebnisse zur Evaluation automatisiert zurückgespiegelt werden und keine Zeit mehr in uneffektiven Organisationsschleifen vergeudet wird, werden wir die NotIT haben, die Deutschland braucht!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr


Dr. Helge Braun
Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung